«Ich bin überzeugt, dass ich mit meiner umfassenden Kompetenz gerade in puncto Verzögerungen von Bauprojekten viel optimieren kann.»

Während seiner Zeit als Projektleiter für Hochspannungsleitungen und Umweltberater beim ewz hat Lorenz Hunziker erkannt, dass es viel Know-how und vernetztes Denken hinsichtlich Machbarkeit und Risiken braucht, um nachhaltige Ideen und Projekte realisieren zu können. Jetzt hat Lorenz den Schritt in die Selbständigkeit gewagt, um sein Wissen einer breiteren Kundschaft zur Verfügung zu stellen. Was genau er vorhat, erklärt er im Interview.

Lieber Lorenz, Du bist gerade mit deiner eigenen Firma «Hunziker Landschaftsmanagement» gestartet. Wie ist die Resonanz darauf?

Die ehemaligen Kollegen sind froh, dass ich wieder oder noch mit meinem Wissen und Können zur Verfügung stehe. Aber auch in weiteren Kreisen wird an meinem Angebot Interesse gezeigt.

 

Wolltest Du nicht mehr für grosse Unternehmen tätig sein?
Ich wollte nicht mehr in grossen Unternehmen, sondern eben für grosse Unternehmen tätig sein. In grossen etablierten Unternehmungen, vielleicht auch in kleinen, entsteht irgendeinmal eine gewisse Betriebsblindheit und man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Zudem wird ein Unternehmen mit zunehmender Grösse träge und kann nur schwer auf Veränderungen reagieren.

Ein gutes Beispiel für diese Trägheit, in meinem Arbeitskontext, ist das Umweltschutzgesetz, welches 1983 in Kraft trat. Ich hege grosse Zweifel, dass Grossunternehmen dieses wirklich bereits gesehen und übernommen haben. Hingegen haben viele Unternehmen ein Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 eingeführt. Dieses fördert aber in seiner letzten Konsequenz weder den Umweltschutz noch führt es zu einer Umweltsicht, denn es ist halt eben «nur» ein Managementsystem.

 

Worauf spezialisiert sich Hunziker Landschaftsmanagement?
Hunziker Landschaftsmanagement unterstützt Bauherren im Spanungsfeld der Raumplanungs-, Natur- und Heimatschutz- sowie der Umweltschutzgesetzgebung. Mit dem Verbinden dieser drei Gesetzgebungen soll das Risiko von Verzögerungen und unvorhergesehenen Mehrkosten durch Gerichtsverfahren und Behördenauflagen minimiert werden.

Hunziker Landschaftsmanagement ist spezialisiert auf die Konfliktanalyse während der Machbarkeitsphase und erarbeitet daraus Massnahmen, um die Konfliktherde zu entschärfen.

 

Du bist in erster Linie jetzt Berater. Fertigst du keine Gutachten mehr an?
Im Gegenteil, die Konfliktanalyse ist das erste und damit auch das wichtigste Gutachten in einem Bauprojekt. Wenn meine Kunden allerdings davon ausgehen, dass ein Gutachten nur ein bestimmtes Thema betrachtet, welches von einem Gericht vertiefter in Augenschein genommen wird, dann mache ich tatsächlich keine Gutachten mehr. Denn es sind genau diese Gutachten, die ein Verfahren vor Gericht in die Länge ziehen: zuerst braucht es Zeit das Gutachten zu erstellen, dann braucht es Zeit, bis der Richter weiss, was das Gutachten aussagt, dann braucht es Zeit, um Kläger und Beklagter zum Gutachten zu befragen, dann braucht es Zeit, um Beklagter und Kläger zu den Aussagen des jeweils anderen zu befragen, und so weiter im hin und her. Man wähnt sich wahrlich in einem Roman von Alexandre Dumas, 20 Jahre danach kommt es endlich zum grossen Showdown.

 

Hast du bereits Aufträge?
Glücklicherweise durfte ich bereits ehemaligen Kollegen helfen Planeingaben vorzubereiten. Bei meiner Zeit beim ewz habe ich mit ArcGIS ein Tool entwickelt, mit dem ich die notwendigen Übersichtspläne für die Angaben zur nichtionisierenden Strahlung einfach und zeitnah erstellen kann.

«Die Konfliktanalyse ist das erste und damit auch das wichtigste Gutachten in einem Bauprojekt.»

Wie erlebest du momentan den Infrastruktur-Markt?
Wir verlangen Strom in der Steckdose, jedoch wollen wir keine Leitungen, keine glänzenden Solarpanels auf dem Nachbarsdach, keine Windräder am Gegenhang und keine grösseren Stauseen. Irgendwie haben wir da einen Knoten in der Optik, auf keinen Fall wollen wir auf eine grosszügige Energieversorgung verzichten, aber die Folgen oder die Ursachen davon wollen wir, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht sehen.

Die Infrastruktur-Branche hat jedoch nicht nur ein Fremdproblem, sondern auch eigene. Infrastrukturen haben die Eigenart, dass sie gross und somit teuer bei der Erstellung sind, dies egal ob es sich um Leitungen, Kraftwerke, Kehrichtverbrennungsanlagen oder Strassen handelt. Darum wurde früher das Budget für den Altersersatz oder den Neubau der Infrastrukturen über ein Jahrzehnt festgelegt. Die Buchhaltung will heutzutage aber mit zeitnahen Budgets arbeiten. Das heisst, Jahr für Jahr muss ein Zehntel des gesamten Budgets verbraucht werden. Dies ist jedoch wegen den verschiedenen Phasen und Kosten in einem Bauprojekt kaum möglich. Dieses «Management»-Problem erschwert den Infrastrukturbau um einiges mehr als das gesellschaftliche.

Ein weiteres Problem, und genau dieses will Hunziker Landschaftsmanagement angehen, ist, dass in der Machbarkeitsstudie nur die Technik evaluiert werden. Nicht oder zu wenig Betrachtung hingegen finden die Raumplanung, der Natur- und Heimatschutz sowie der Umweltschutz. Und auch die gesellschaftlichen Probleme werden bei der Betrachtung oft ausgeklammert. Dies führt dann zu Einsprachen, welche die Baubewilligung oder Plangenehmigung auf Jahrzehnte blockieren. Wenn dann die Bewilligung doch noch erteilt wird, haben sich sowohl die technischen wie auch die finanziellen Grundlagen verändert. Die damals eingereichte Technik ist schon lange überholt und eine Änderung würde ein neues Verfahren bedingen. Oder der Markt hat sich verändert: Zum Beispiel fällt der Strompreis plötzlich ins Bodenlose und angedachte Produktionsstätten lohnen sich aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr. Ich bin überzeugt, gerade in puncto Verzögerungen in Bauprojekten kann ich mit meiner umfassenden Kompetenz viel optimieren.

 

Was hat sich in Deinem «neuen» Leben als Unternehmer geändert?
Als Unternehmer darf ich meinen Kunden neue Ideen und Arbeitsweisen vorschlagen, ohne dass ich dabei zu viel Staub aufwirble oder als Ruhestörer gelte. Zudem kann ich mich mehr auf mein Spezialgebiet konzentrieren und muss mich weniger um das Managementsystem kümmern.

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